SPD verliert und jubelt am Ende dennoch

Veröffentlicht am 16.05.2017 in Stadtverband

Stefan Kämmerling setzt sich im Herzschlagfinale gegen Axel Wirtz (CDU) durch und zieht in den Landtag. AfD holt 6,25 Prozent.

„Also, ich sauf mir jetzt hier gleich einen – und morgen sehen weiter!“ Stefan Kämmerlings von Herzen kommender Seufzer der Erleichterung hatte lange auf sich warten lassen: Erst kurz vor 22 Uhr – fast vier Stunden nach Schließen der Wahllokale – stand gestern Abend fest, dass der Inde-städter auch im kommenden nordrhein-westfälischen Landtag vertreten sein wird. Mit ganzen 306 Stimmen Vorsprung auf seinen Gressenicher CDU-Kontrahenten Axel Wirtz. Eine Zitterpartie, die Nerven kostete: Kurz nach 20 Uhr hatte Kämmerling in seinem Wahlbezirk Wirtz um 203 Stimmen abgehängt – wenige Minuten später führte der wieder mit sage und schreibe sieben Stimmen. Es blieb bis zum Schluss eine Zitterpartie für Stefan Kämmerling von der SPD.

Das Kopf-an-Kopf-Rennen zog sich hin: Erst mit dem letzten Wahlbezirk in Breinig II, dessen Wahlvorstand die gespannten Politiker und ihren Anhang fast vier Stunden auf das Auszählungsergebnis der letzten 800 Stimmen warten ließ, war klar: Kämmerling bleibt im Landtag – und trotzt damit dem Landestrend der die CDU in den Regierungshimmel katapultierte und den Genossen dramatische Verluste bescherte. 

Es war ein Glücksmoment für die indestädtischen Genossen an einem größtenteils ernüchternen Abend. Auch in ihrer Hochburg Eschweiler ließ die SPD Federn, und die CDU legte im Gegenzug zu. Bei den Zweitstimmen büßten die Sozialdemokraten 5,16 Prozent ein, die Union verbuchte ein Plus von 4,33 Prozent. Kämmerling schnitt mit einem Minus von 3,94 Prozent deutlich besser ab als seine Partei in Stadt und Land. 

Der Sieger des Abends hatte das Endergebnis gemeinsam mit SPD-Unterbezirksvorsitzenden Martin Peters, dem Stadtverbandsvorsitzenden Oliver Liebchen und Bürgermeister Rudi Bertram in dessen Amtszimmer abgewartet. Nach dem erlösenden Ergebnis dankte er seinen Genossen im SPD-Fraktionssaal: „Dieses Erststimmenegebnis ist nicht mein Erfolg, er ist eurer, unserer! Euer Einsatz rührt mich fast zu Tränen. Lasst uns in den nächsten fünf Jahren so zusammenstehen, wie wir das in diesem alles andere als einfachen Wahlkampf getan haben!“

Kämmerling, der auch einen Glückwunsch-Anruf von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz erhielt, dankte nicht nur seinem Wahlkampfteam, sondern auch seiner Mutter: „Heute ist Muttertag. Und da ich nicht sicher war, wie das heute Abend ausgehen würde, war ich heute Mittag mit einem Blumenstrauß bei meiner Mutter. Aber jetzt kann ich sagen: Das hier ist nun das richtige Geschenk für meine Mutter!“

Zufriedene Gesichter waren im Zimmer der Liberalen zu sehen. Deren Kandidatin für den Wahlkreis Aachen IV, Anke Göbbels, war zwar von vorneherein nicht mit den Ambitionen in den Wahlkampf gestartet, einen Sitz im Landtag zu ergattern, holte allerdings 7,4 Prozent der Stimmen. Bei den Zweitstimmen fuhr die Eschweiler FDP mit 11,15 Prozent sogar ihr bestes Ergebnis bei Landtagswahlen ein. Entsprechend zufrieden war Anke Göbbels: „Mit so einem guten Ergebnis habe ich nicht gerechnet.“ Es freue sie, dass sie so viele Menschen überzeugen konnte. 

Ernüchterung machte sich hingegen bei den Eschweiler Grünen breit. „Wir sind uns einig, dass die Schulpolitik entscheidend für unser Abschneiden ist – sie war selbst in unseren Reihen umstritten“, gestand Ratsherr Dietmar Widell. Allerdings bereiten ihm die 3,32 Prozent der Stimmen noch kein allzu großes Kopfzerbrechen. Ein ähnliches Ergebnis habe man schließlich auch bei den jüngsten Kommunalwahlen erreicht, meinte Widell. 

Das lange Warten auf das Endergebnis ließ auch der CDU Zeit, einzelne Positionen zu analysieren. So entsetzte nicht nur den Fraktionsvorsitzenden Willi Bündgens das Abschneiden der AfD in einzelnen Stimmbezirken. „15,38 Prozent in West – was haben wir da bloß fasch gemacht?!“ Verständnis hatte er dagegen für die 1,3 Prozent, die die „Tierschutzliste“ in St. Jöris erzielte: „Das ist die Antwort darauf, dass da jemand vergiftete Köder ausgelegt hat. Drei Hunde sind daran gestorben.“ 

Bündgens und Co. reisten zu fortgeschrittener Stunde vom Rathaus aus nach Gressenich, in die Stammkneipe von Axel Wirtz, der nun – nach 18 Jahren Arbeit in Düsseldorf – dem Landtag den Rücken kehren muss. Ob da nun der Erfolg von Armin Laschet und der Landes-CDU ausreichen wird, die Grundlage einer fröhlichen Wahlparty zu sein, darf bezweifelt werden.

(Quelle: Eschweiler Nachrichten / Eschweiler Zeitung vom 15.05.2017; Bericht von Rudolf Müller und Patrick Nowicki)

 

Bundestagskandidatin Claudia Moll

Facebook

Mitmachen!