Bertrams Stuhl bringt keiner ans Wackeln

Veröffentlicht am 26.05.2014 in Stadtverband

Der Amtsinhaber verliert zwar leicht, erhält aber 68,73 Prozent der Stimmen. Große Enttäuschung bei den Christdemokraten.

Was unterm Strich herauskam, war keine Überraschung: Der Mann im Bürgermeister-Sessel heißt auch in den kommenden Jahren Rudi Bertram. Die Vehemenz, mit der in den zurückliegenden Wochen gleich vier Mitbewerber versucht hatten, seinen Sessel zum Wackeln zu bringen, tat der Beliebtheit des Verwaltungschefs unter den Eschweiler Wählern kaum Abbruch: Mit 68,73 Prozent, nur 3,22 weniger als bei der vorherigen Wahl, bestätigten die Wähler Rudi Bertram im Amt.

Sein größter Konkurrent, CDU-Spitzenkandidat Wilfried Berndt, brachte es auf 22,97 Prozent. Und musste eine weitere herbe Enttäuschung schlucken: In seinem eigenen Dürwisser Wahlkreis war es ihm nicht gelungen, seiner SPD-Mitbewerberin Nicole Dickmeis das Direktmandat abzunehmen. Die starke Personalisierung des Kampfs ums Bürgermeisteramt – vor allem Wilfried Berndt und FDP-Kandidat Christian Braune hatten starke Präsenz gezeigt – hatte den Bertram-Gegnern nichts genutzt.

Vor allem Christian Braune kassierte – analog zu den Wahlergebnissen der FDP auf allen gestern zu wählenden Ebenen – mit 2,03 Prozent eine herbe Ohrfeige. Grüne-Kandidat Franz-Dieter Pieta brachte es auf 3,18 Prozent, Linke-Spitzenkandidat Albert Borchardt auf 3,09 Prozent.

Erst der Integrationsrat

Den Auftakt zu einem langen Wahlabend hatte der Integrationsrat gemacht. Dessen erstes Ergebnis lag um 18.38 Uhr, 38 Minuten nach Schließung der Wahllokale. vor: Mit mehr als 63 Prozent führte die Internationale sozialdemokratische Liste mit dem langjährigen Vorsitzenden des Integrationsrats, Ilker Zaman, an der Spitze deutlich vor der Internationalen Liste von Ferdi Küsek. Das Endergebnis allerdings ließ lange auf sich warten: Die zweite Hälfte der Stimmzettel war erst um 20.54 Uhr ausgezählt – knapp zweieinhalb Stunden später. Und wartete mit einer Überraschung auf: Küseks Internationale Liste verweist mit 51,9 Prozent die Zaman-Fraktion (48,1) auf Platz zwei.

Bis in den späten Abend waren drei der 28 Eschweiler Stimmbezirke nicht ausgezählt: Patternhof, Röthgen-West und Hastenrath ließen stundenlang auf sich warten. Warten mussten zuvor auch die Indestädter, die ihre Stimmen abgeben wollten: immer wieder kam es zu langen Staus und zeitlichen Verzögerungen, weil das Ausfüllen der bis zu sechs umfangreichen Wahlzettel nicht zuletzt für Senioren eine Herausforderung darstellte.

Das vorläufige Endergebnis der Wahl zum Stadtrat sieht demnach wie folgt aus: SPD 51,34 Prozent, CDU 31,06, FDP 3,64, UWG 3,86, Linke 3,97, Grüne 4,85 und Piraten 1,28 Prozent. Die Sitzverteilung sieht wie folgt aus: Die Linke: 2, SPD 26 (und damit absolute Mehrheit), Grüne 2, Piraten 1: UWG: 2, FDP: 2, CDU: 16.

Großer Jubel

Natürlich waren die Sozialdemokraten mehr als zufrieden, auch wenn sie sich betont bescheiden gaben. Großer Jubel kam auf, als Rudi Bertram um 22.30 Uhr den SPD-Saal betrat und sich gemeinsam mit Ehefrau Hedi feiern ließ. „Wir sind natürlich sehr zufrieden“, sagt Leo Gehlen, der dem neuen Rat nicht mehr angehören wird.

Der alte und neue Bürgermeister Rudi Bertram war sichtlich geschafft, aber auch glücklich. Er dankte allen Helfern persönlich für ihren großen Einsatz. Dann brandete ein zweites Mal großer Jubel auf, als Christiane Karl einen Überraschungsbesuch im Eschweiler Rathaus abstattete. Karl hat – für viele überraschend – Helmut Etschenberg einen harten Kampf um das Amt des Städteregionsrats geliefert und die Stichwahl erreicht. Einziger Wermutstropfen bei den Sozialdemokraten: Oliver Liebchen holte seinen Wahlkreis nicht direkt, sondern unterlag mit 19 Stimmen Marc Müller, der damit den einzigen Wahlkreis direkt gewann. Dennoch war die Stimmung bei der CDU natürlich sehr getrübt.

Wilfried Berndt: „Ich bin natürlich vom Ergebnis enttäuscht. Das ist eine klare Klatsche. Vielleicht bin ich zu aggressiv in den Wahlkampf gegangen. Vielleicht hat es etwas mit dem Amtsbonus zu tun. Aber ich gratuliere Rudi Bertram. Jetzt werde ich mich im Stadtrat für Dürwiß einsetzen.“

Linke-Kandidat Albert Borchardt: „Wir Linken haben unser Ziel erreicht. Wir haben Fraktionsstatus. Das macht unsere Arbeit leichter. Dass wir besser abschnitten sind als bei der Europawahl ist ein Bonus für unsere Arbeit vor Ort.“

Höhere Wahlbeteiligung

Erfreulich: Die Wahlbeteiligung an der Europawahl nahm erheblich zu. Statt der 40,6 Prozent beim vorigen Urnengang gaben diesmal 51,8 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimmen ab – ein sattes Plus von 11,2 Prozent. Bei den Bürgermeister- und Stadtratswahlen war die Entwicklung alles andere als positiv: Hier sank die Wahlbeteiligung von 53,9 auf 50 Prozent. Nicht nur für Eschweilers Technischen Beigeordneten Hermann Gödde ein Grund, verständnislos den Kopf zu schütteln: „Während in der Ukraine Menschen dafür sterben, wählen zu dürfen, bleiben hier Tausende gelangweilt zu Hause.“

(Quelle: Eschweiler Nachrichten / Eschweiler Zeitung vom 26.05.2014, Bericht von Rudolf Müller, Patrick Nowicki und Tobias Röber)

 
 

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