"Arbeitsplätze familiengerecht ausgestalten"

Veröffentlicht am 13.05.2014 in Presse

Die Kandidaten für das Amt des Städteregionsrates, Teil 2: Christiane Karl (SPD). Sie will die Position als „strategischer Kopf der Verwaltung interpretieren“.

Nein, die weibliche Karte will Christiane Karl nicht spielen. Aber sie sei nun einmal eine Frau. „Und es ist einfach so, dass gemischte Teams mit Männern und Frauen die besten Ergebnisse liefern. Das hat sich in der Wirtschaft längst bestätigt. Frauen schauen mit einem anderen Blick auf ein Thema als ein Mann.“ Auch deshalb kandidiert die Sozialdemokratin aus Eschweiler für das Amt des Städteregionsrates. Denn die Verwaltungsspitze ist noch immer ausschließlich mit Männern besetzt. Das will die 59-Jährige ändern. Und sie will ein paar Themen auf die Agenda setzen, die ihr wichtig sind: Bildung steht da ganz oben, familienfreundliche Arbeitsplätze, Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs auch mit Blick auf die immer älter werdende Bevölkerung, Umwelt- und Klimaschutz.

Auf ihren Wahlplakaten stellt sich Christiane Karl den Wählern selbstbewusst als „Ihre neue Städteregionsrätin“ vor. Und schon bei ihrer Nominierung durch die SPD im Februar hat sie nicht minder selbstbewusst klargestellt: „Ich kandidiere nicht als erste Bürovorsteherin! Ich werde das Amt der Städteregionsrätin als strategischer Kopf der Verwaltung und politische Führung der Region interpretieren!“ An Ideen mangelt es ihr da nicht. Wobei ihr wichtig ist zu betonen: „Die Städteregion braucht keine Leuchtturmprojekte. Wir müssen die Kommunen in die Lage versetzen, die Lebensbedingungen für die Menschen vor Ort zu verbessern. Wenn die Kommunen strahlen, dann strahlt auch die Städteregion.“

Was es heißt, sich politisch in einer Kommune zu engagieren, hat die gebürtige Allgäuerin schon früh erfahren. „Mein Großvater war Bürgermeister“, erzählt sie. Sie selbst hat sich früh in der Deutschen Friedensgesellschaft engagiert. In die Partei- und Kommunalpolitik ist Christiane Karl aber erst relativ spät eingestiegen. In die SPD ist sie erst 1995, mit 40 Jahren, eingetreten, von 2002 bis 2012 war sie Kreisvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen, 2003 zog sie für ein halbes Jahr als Nachrückerin in den Eschweiler Stadtrat ein und 2004 wurde sie direkt in den Kreistag und 2009 in den Städteregionstag gewählt.

Davor hat sie wie viele Frauen die Erfahrung gemacht, wie schwer es ist, Beruf und Familie zu vereinbaren. Mit 18 Jahren hat sie in Freiburg ihre Ausbildung zur Hebamme begonnen, ist danach der Liebe wegen nach Bremen gezogen und machte dort neben dem Beruf ihr Abitur. Zwei Jahre später ging es aus beruflichen Gründen nach Eschweiler, wo sie als Hebamme im dortigen Krankenhaus arbeitete. Als Sohn Max in die Schule kam, „musste ich aufhören zu arbeiten, weil es keine geeignete Kinderbetreuungsmöglichkeit gab“. Christiane Karl schulte um zur Kosmetikerin, weil sie diesen Beruf auch zu Hause ausüben konnte.

Eine Erfahrung, die sie noch heute antreibt, in diesem Bereich kreative Lösungen zu entwickeln. Eine Idee: eine 24-Stunden-Kita als Modellprojekt am Medizinischen Zentrum in Würselen installieren und so neue, qualitativ gute Betreuungsmodelle erproben. „Dort arbeiten viele hoch qualifizierte Frauen, doch viele hören auf, wenn sie ein Kind bekommen. Viele wollen das aber eigentlich nicht. Und wir können uns angesichts des demografischen Wandels nicht leisten, auf diese Frauen zu verzichten.“

Wichtig seien familiengerechte Arbeitsplätze im Übrigen nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer, betont Karl, die die Gesundheitswirtschaft als „gewaltigen Jobmotor“ bezeichnet. Männern wie Frauen böten sich hier gute Chancen auf einen guten Job, und zwar sowohl in der Alten- und Krankenpflege als auch in der Medizintechnik oder dem „zweiten Gesundheitsmarkt“, zu dem sie etwa Optiker, Akustiker oder den Bereich Wohnen im Alter mit all seinen Facetten zählt.

Mit ihrer Familie – ihrem Sohn Max, Ehemann Christian und dessen beiden Töchtern – diskutiert sie oft über ihre Ideen. Und sie stehen voll und ganz hinter ihrer Kandidatur. „Max hat gesagt: Diese Chance musst du wahrnehmen.“ Und dafür kämpft Christiane Karl mit Leib und Seele.

(Quelle: Aachener Zeitung / Aachener Nachrichten vom 13.05.2014, Bericht von Jutta Geese)

 
 

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